Inhalt:


Die Familie des ehrenwerten Feuerwehrhauptmann Lajos Tót erwartet sehnsüchtig die Rückkehr des geliebten Sohnes von der Front.

Doch stattdessen besucht sie sein Vorgesetzter – der Major - zur Erholung von den psychischen Strapazen der gnadenlosen Kriegshandlungen.

Die Tóts stimmen zu, den Major für zwei Wochen bei sich in ländlicher Idylle aufzunehmen, für ihn zu sorgen, ihn zu pflegen und ihm jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Denn die Hoffnung, er würde danach den Sohn aus Dankbarkeit von der Front in eine sichere Schreibstube versetzen, beflügelt die Familie zu untertänigsten Diensten.

Es sind ja „nur“ zwei Wochen, doch der Major will und will sich nicht zufrieden zeigen...


„Familie Tót“ („Tóték“) ist eines der wenigen Theaterstücke des herausragenden ungarischen Autors István Örkény. Die Verfilmung des Stoffes aus dem Jahr 1969 genießt in Ungarn bis heute Kultstatus.


58 Jahre nach der Uraufführung und Inszenierungen in über 25 Ländern wird dieser Klassiker der ungarischen  Dramenliteratur endlich in Österreich aufgeführt.


Konzept/Regie/Musik: Imre Lichtenberger Bozoki


Bühne/Kostüme: Bianca Fladerer


Dramaturgie: Luca Palyi,Tanja Witzmann


Cello: Rina Kaçinari


ES SPIELEN: Suse Lichtenberger, Anna Kramer, Constanze Passin, Julia Schranz und Claudia Kottal, 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              


*** „Familie Tót“ ist die erste Produktion des MAA* Kulturverein. ***

Originalrechte bei PROSCENIUM AGENCY FOR AUTHORS Ltd. www.proscenium.hu




Der Autor zum Stück -

István Örkény schreibt im Vorwort der ungarischen Erstausgabe (1967):



Ich denke oft an Sisyphos, seit ich im Krieg war. Vor dem Krieg habe ich die sisyphos’sche Strafe als eine Art Kampf mit dem Schicksal gedeutet, die Gravitation als Todesursache.

Der Krieg - der größte Wendepunkt in meinem Leben, hat mich vieles gelehrt. Auch die Tatsache, dass das ungarische Schicksal immer voll war von Sisyphos’schen Situationen.

Der Fels, den wir beim Don (grosse Schlacht im 2. Weltkrieg in der Ukraine) rollten, kann nur zurückrollen.


Aber ich sehe meinen Sisyphos ganz anders. Nicht in der Position, wo ihm der Fels vom Berg runterrollt,

sondern da wo er ihn wieder hochschieben muss. Was denkt er in dem Moment? Er weiss um sein Schicksal. Seine Plagen sind umsonst, der Fels wird immer wieder zurückrollen.

Aber der Mensch ist nicht nur das, was er erfahren hat. Sein Verstand weiss, dass alles umsonst ist, aber sein Instinkt hört nicht auf seinen Verstand. Sein Instinkt sagt ihm, das sei der letzte Versuch: Sisyphos begibt sich zuversichtlich auf den Weg, immer und immer wieder, immer enttäuscht, aber immer wieder mit neuer Kraft.


Wir leben in dem Paradox, dass nur unser Verstand die Bilanz des Schicksals zieht, die uns erwartet. Unsere Instinkte aber sagen etwas anderes. Manchmal siegt das eine, manchmal das andere. Wenn der Verstand siegt, ist “mein Sisyphos” traurig, aber wenn die Stimme des Instinkts siegt, ist das Herz “meines’ Sisyphos” voller Freude. (…)

Lajos Tót war natürlich nicht der König von Corinth, sondern nur Feuerwehrhauptmann in einem Bergdorf. Er hat nie die Götter beleidigt. Was also war sein Verbrechen?

Vielleicht gab es keine Sünde, ausser die Tatsache in eine Zeit hineingeboren zu sein, wo man keine Wahl

hatte ausser zu rebellieren oder Sisyphos zu sein.

Die Geschichte wiederholt sich in vielerlei Hinsicht. Es gab viele Tóts. Wenn das Schicksal ein Volk lehrt sich immer zu fügen, kann man es nicht als Verbrechen erachten, wenn einer sich bis zum Umfallen fügt.

Lajos Tót rebelliert, aber der Zeitpunkt ist nicht gut gewählt: die Rebellion war umsonst, zu spät, geistlos.

Aber wieso sollte das seine Schuld sein?


Möglicherweise gibt es glückliche Völker - solche die zur rechten Zeit rebellieren. Wir sind nicht so ein Volk. Wenn es wahr ist, dass unser Leben zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit pendelt, ist unsere Existenz an sich nicht absurd, aber sie kann es werden - in bestimmten Situationen, Zeiträumen, Epochen.

Dann agieren wir ohne Hoffnung, dann wird unser Handeln absurd.


Angst ist das Medium, in dem diese Änderung eintritt. Die Quelle des Terrors ist immer Angst, und Angst erzeugt immer neue Angst, sie will sich teilen, wie Einzeller, will sich ausbreiten wie Gase, infizieren wie Viren. (…)Es gab schon Menschen, die so grosse Angst empfunden haben, dass ihre Ängste grosse Länder in die moralische Absurdität getrieben haben. Wie kann das geschehen? 

Es wäre gut, wenn wir nicht mehr in Angst lebten.”

(aus dem Ungarischen von Imre Lichtenberger Bozoki)


ARCHIVMATERIAL

“FAMILIE TÓT”

Tragikkomödie

von István Örkény

aus dem Ungarischen von Barbara Frischmuth

ÖEA

PREMIERE:

14.JANUAR 2016

weitere Vorstellungen:

15./23./26./27./30./31.01.

und 

9.-12.03.2016

WIEDERAUFNAHME-PREMIERE:

7.SEPTEMBER 2017

weitere Spieltermine:

8./9./14./15.September 2017

im OFF THEATER

KRITIKERSTIMMEN:


“...ein sehr heiterer Orbán-Abend!”

[FALTER]


“Ein Vergnügen!”

[DER STANDARD]


“...wunderbar die Stimmungen...”

[KURIER]


“...überzeugt auf der ganzen Linie.”

[Mottingers Meinung]